Eindrücke von der Dreamforce 2019 – was ist Dreamforce und warum sollten Sie sie besuchen?

 

 

Dreamforce ist die größte Softwarekonferenz der Welt, die in diesem Jahr von 171.000 Teilnehmern besucht wurde, die die positive Energie der Veranstaltung spüren und an einigen der 2.700 dort abgehaltenen Vorträge und Workshops teilnehmen wollten.

Unter dieser Masse von 171.000 Menschen befanden sich dieses Jahr auch drei HSM-Mitarbeiter: mein Bruder Juraj, unser Salesforce-Berater Dejan und ich. Dies war meine zweite Dreamforce und meine Kollegen hatten das Vergnügen, zum ersten Mal an der Konferenz teilzunehmen.

Die Dreamforce-Konferenz wird von unserem Partner Salesforce veranstaltet, einem in jeder Hinsicht hervorragenden Unternehmen und überzeugenden Weltmarktführer im CRM-Bereich, der in den letzten Jahren durch intelligente Akquisitionen zu einem führenden Anbieter für digitales Marketing und Business Intelligence wurde. 

Die diesjährige Konferenz fand wie üblich in San Francisco statt, wo sich der Hauptsitz des Unternehmens befindet.

Derzeit ist Salesforce mit etwas mehr als 8.000 Mitarbeitern allein in San Francisco (35.000 weltweit) auch der größte Arbeitgeber in San Francisco. Dies ist besonders beeindruckend, weil San Francisco auch der Hauptsitz großer und weltbekannter Technologieunternehmen wie Uber, Lyft, Airbnb, Twitter und Fitbit sowie „traditioneller“ Unternehmen wie Wells Fargo Bank und Bekleidungshersteller Levi Strauss und Gap ist.

San Francisco ist eine überraschend kleine Stadt mit knapp 900.000 Einwohnern, also etwas weniger als in Zagreb. Unabhängig von ihrer Größe ist die Stadt mit Sicherheit eine der bekanntesten Städte Amerikas mit vielen Sehenswürdigkeiten wie die Golden Gate Bridge und das Alcatraz-Gefängnis.

Der Salesforce Tower, das höchste Gebäude in San Francisco und das zweithöchste an der US-Westküste, dominiert ab diesem Jahr die Silhouette der Stadt.

Ich habe nicht die Absicht, hier ein Reisebuch zu schreiben, aber ich werde ein paar Fotos mit Ihnen teilen…

 

Juraj und ich mit Adam, einem der besten Mitarbeiter in den letzten Jahren und Salesforce Partnerprogramm-Manager für unsere Region. Sind wir nicht fotogen? 🙂
Ein Besichtigungstag vor der Dreamforce. Dejan, Juraj und ich mit der Golden Gate Bridge im Hintergrund.
Blick aus dem Salesforce Tower. Schönes Panorama der Stadt mit Alcatraz in der oberen rechten Ecke.

 

Es würde mir nicht Spaß machen, einen Bericht aller von mir besuchten Vorträge zu schreiben, und Ihnen würde es sicherlich nicht Spaß machen, solch einen Bericht zu lesen. Daher werde ich mich auf die Kenntnisse konzentrieren, die ich auf der Konferenz erworben habe.

 

Liste der fünf wichtigsten Dinge an der Dreamforce:

 

1. Diversity is not charity (Vielfalt ist keine Wohltätigkeit).

 

Der ehemalige (und wie ich aus den Kommentaren der Einheimischen feststellen könnte, äußerst beliebte) US-Präsident Barack Obama war einer von Dutzenden berühmten Rednern auf der Konferenz (neben dem Apple-CEO Tim Cook, Gucci-CEO Marc Bizzarri, Fußballer David Beckham, Basketballspieler Steph Curry, Schauspielerin Emilia Clarke…). Da ich vor der Dreamforce niemals eine ganze Rede von Barrack Obama gehört hatte, war ich überrascht, dass er ein so spektakulärer Redner ist, mit Sicherheit der beste, den ich je gehört habe. Er sprach überhaupt nicht über Politik, sondern über die Bedeutung der Vielfalt der Menschen (basierend auf Rasse, Geschlecht, Religion, Bildung usw.) im Geschäftsumfeld. In Amerika (und die Situation in Kroatien ist nicht viel anders) umgeben sich die Gründer oder Geschäftsführer großer Unternehmen (die wiederum in der Regel weiße, verheiratete Männer sind, die ihren Abschluss an Universitäten der Efeu-Liga bzw. Ivy League gemacht haben) mit ihnen ähnlichen Personen (weißen, verheirateten Männern, die an denselben Hochschulen studiert haben), mit denen sie „leicht eine gemeinsame Sprache finden“.  Sie merken nicht, dass sie auf diese Weise unterschiedliche Sichtweisen auf den Markt verlieren und seltener an etwas Neues denken, weil jeder am Tisch das Gleiche denkt. Dieser schöne Gedanke „Diversity is not charity“ bedeutet, dass die Einstellung verschiedener Menschen keine noble Geste, sondern eine kluge Geschäftsentscheidung ist.

 

2. For each of us to succeed, we all need to succeed together (Damit jeder von uns erfolgreich sein kann, müssen wir gemeinsam erfolgreich sein).  

 

Einer der wichtigsten Gedanken von Dreamforce ist die Idee, dass man anderen helfen und Hilfe von anderen annehmen muss, um erfolgreich zu werden. Ein gutes Beispiel hierfür sind die „Circles of Success“-Workshops, bei denen mehrere Personen am runden Tisch über ein Thema diskutieren (z. B. die Verwendung eines Salesforce-Produktes oder ein allgemeineres Geschäftsthema). Ein Salesforce-Mitarbeiter moderiert das Gespräch, aber die meiste Zeit findet das Gespräch zwischen Benutzern statt, und irgendwie gibt es immer eine „gesunde“ Kombination aus erfahreneren und weniger erfahrenen Kunden. Die Person, die durch ihre Erfahrung und ihr Wissen weniger erfahrenen Kollegen an einem „Circle of Success“ geholfen hat, nimmt am nächsten Workshop teil und stellt die Fragen.

 

3. Es kommt nicht auf den Preis an, sondern auf das Verhältnis von Preis und Leistung.

 

Ich habe mit einem Herrn aus Israel gesprochen, der einen Stand bei Dreamforce hatte. Der Stand war nicht besonders groß (3 m x 3 m), befand sich nicht am besten Standort und kostete USD 65.000 für vier Konferenztage. Trotzdem kehren sie jedes Jahr gerne zur Dreamforce zurück und bereiten sich bereits für das nächste Jahr vor. Der Grund, aus dem sie zurückkehren, beruht nicht auf der üblichen Denkweise: „Wir müssen da sein, weil alle anderen da sind“, sondern der Tatsache, dass sie festgestellt haben, dass es sich lohnt. In diesem Jahr haben sie 4.000 Geschäftskontakte gemacht (etwa 160 Dollar pro Kontakt). Und in ihrem Geschäft ist ein „teuerer“ Stand ein besserer Kanal zum Sammeln von Kontakten als „billige“ Google Ads, für die man etwa 500 Dollar pro Kontakt ausgeben muss. Falls oder wenn sich die Verhältnisse ändern, werden sie eine strategische Entscheidung treffen, nicht zur Dreamforce zu kommen, sondern sich auf etwas Profitableres zu konzentrieren.

 

4. Ein Job muss nicht langweilig sein, Geschäftskonferenzen auch nicht.

 

Die Tatsache, dass die Konferenz eigentlich ziemlich unterhaltsam ist, sorgt wahrscheinlich für die größte Begeisterung. Die meisten Konferenzvorträge, an denen ich bisher teilgenommen habe, waren im Grunde genommen langweilig. Solche Vorträge sind so gestaltet, dass der Vortragende eine PowerPoint-Präsentation hält und über ein beliebtes Thema spricht (wählen Sie: die vierte industrielle Revolution, digitale Transformation, Blockchain, Big data usw.), während die Zuhörer sitzen, E-Mails senden und darüber nachdenken, wie viele E-Mails sie noch senden könnten, hätten sie ihren Arbeitsplatz nicht verlassen.  Hier ist alles einfach großartig. Die Vorträge sind dynamisch und beeindruckend, am Ende des Keynote-Vortrages erschien z. B. die großartige Musikerin Alicia Keys auf der Bühne, um ein paar Lieder aufzuführen. Außerdem ist es den Vortragenden irgendwie gelungen, dass sich auch seriöse Geschäftsleute für ein paar Tage entspannen. Sie machten Fotos mit Maskottchen, klebten Tiersticker auf Laptops, spielten Spiele und sammelten verschiedene ausgestopfte Spielzeuge. Dazu haben wir auch ein paar Ideen bekommen, wie wir unsere eigenen Events verbessern können.

 

5. Erfolge feiern anstatt „…, aber …“

 

Kroaten sind vielleicht Vizeweltmeister im Fußball, aber sie sind Weltmeister im Jammern. Es ist schwer zu sagen, warum das so ist, aber ein Kroate sagt sehr selten etwas Positives, ohne sofort danach über etwas zu jammern, was den Wert des Positiven mindert. Und dies findet keine praktische Anwendung, weil ein Jammernder keine Hilfe bzw. keinen Rat erwartet/will. Ich werde auch einige klassische Geschäftsbeispiele dafür nennen (obwohl dies auch das Privatleben betrifft). Beispiele: „Endlich haben wir einige Fortschritte mit dem Verkauf gemacht, doch wer soll den jetzt alle Rechnungen erstellen?“, „Ich wurde befördert, aber ich wünsche, ich hätte nicht so lange warten müssen,“ „Wir haben endlich ein großes Projekt unterzeichnet, aber wie sollen wir es jetzt liefern?“ Der Nachteil dieser Denkweise liegt darin, dass wir uns nicht erlauben, unseren eigenen Erfolg zu genießen, nicht einmal für die paar Sekunden, die wir brauchen, um einzuatmen und den Satz zu beenden. Amerikaner sind viel positiver und konkreter. Sie sagen etwas wie: „Wir haben endlich dieses große Projekt unterzeichnet! Wir werden viel zu tun haben und ich möchte, dass wir uns treffen und besprechen, wie wir es liefern werden.“ Der Unterschied ist gering, aber trotzdem groß. Einem alten Hund kann man keine neuen Tricks beibringen, deswegen werde ich wahrscheinlich so weitermachen wie bisher, aber ich werde mich bemühen, diese Denkweise bei meinen jüngeren Kollegen zu korrigieren.

 

Jetzt bin ich nach einem 12-stündigen Flug von San Francisco wieder zu Hause, also kann ich wieder als echter Kroate die oben genannte „…, aber …“-Phrase verwenden.

 

 

Liste von fünf Dingen, die nicht ganz perfekt sind. Dreamforce ist die beste und interessanteste Softwarekonferenz der Welt, aber ...

 

1. … überall sind Menschenmassen.

 

San Francisco ist eigentlich relativ klein (weniger als 900.000 Einwohner in der Stadt und ihrer Umgebung), daher ist die Stadt immer überfüllt, und die Anzahl der Menschen steigt natürlich, wenn 171.000 neue Menschen gleichzeitig durch das Stadtzentrum herumlaufen. Obwohl die Organisation wirklich hervorragend war, war der Raum bei attraktiven Vorträgen überfüllt von Menschen, und die Warteschlangen für Essen waren ziemlich lang (man muss nämlich all diesen Menschen etwas zum Essen geben, und dafür hat man eine oder zwei Stunden, die für die Mittagspause vorgesehen sind). Dagegen kann man nichts machen. Wenn Sie schon eine halbe Stunde in der Warteschlange für Essen stehen, können Sie sich mit jemandem in der Nähe unterhalten oder einem Kollegen aus Zagreb eine spätabendliche E-Mail senden oder ihn anrufen und ihm erzählen, was Sie inspiriert hat oder ihm eine neue Idee mitteilen.

 

2. … es ist weit entfernt.

 

Wenn Sie sich für eine Reise aus Europa entscheiden, können Sie mit einem 12-stündigen Flug rechnen (mit möglichem Umstieg und zusätzlichen Wartezeiten am Flughafen). Dabei werden Sie ungefähr 10 Zeitzonen durchlaufen und den unvermeidlichen Jetlag erleben. Ich weiß, dass es schwer ist, aber was auch immer Sie machen, wenn Sie nach San Francisco kommen, schlafen Sie nicht vor der normalen Schlafenszeit ein. Eine gute Taktik ist es auch, ein oder zwei Tage vor der Dreamforce nach San Francisco zu kommen, damit Sie Zeit zur Erholung und Besichtigung haben.

 

3. … das Interesse an der Konferenz ist sehr groß, aber wegen der Kapazität der Stadt ist die Anzahl der Eintrittskarten begrenzt.

 

Sie sollten definitiv darüber nachdenken, die Eintrittskarten möglichst bald zu kaufen. Nachdem der Verkauf der Eintrittskarten angekündigt war, überlegten wir uns noch ein paar Tage, ob wir sie kaufen wollen und dann wurden alle Karten in einer Rekordzeit von einer Woche ausverkauft. Wir haben mehrmals versucht, verschiedene Abteilungen bei Salesforce zu kontaktieren und erst dann haben wir die Eintrittskarten bekommen. Sie haben uns ein Gefallen getan, weil wir Partner sind. Die Entscheidung darüber, ob wir nächstes Jahr die Dreamforce besuchen werden oder nicht, werden wir schon zur Jahresmitte treffen.

 

4. … es gibt so viele gute Vorträge, dass es fast unmöglich ist, sich zu entscheiden, welche man sich anhören möchte.

 

Einige Unternehmen, wir nennen sie „Nerd-Unternehmen“, planen ihre „Dreamforce-Strategie“ wochenlang und treffen Entscheidungen darüber, wer an welchem Vortrag teilnehmen soll. Andere Unternehmen, wir nennen sie „coole Unternehmen“, legen ihre „Dreamforce-Strategie“ in der Pub vor dem nächsten Konferenztag. Am Ende hören beide Unternehmenstypen etwas Interessantes, während sie etwas anderes verpassen. Wenn mehrere Personen aus ihrem Unternehmen an der Konferenz teilnehmen, ist es wichtig, sich gut untereinander aufzuteilen. Andernfalls verlieren Sie die Vernetzungsmöglichkeit, die vielleicht auch der wichtigste Teil der Konferenz ist.

 

5. … niemand hat Zeit für dich.

 

Obwohl mehr oder weniger alle, mit denen Sie kommunizieren (z. B. das Salesforce-Team und die Aussteller an den Ständen), lächeln und anscheinend daran interessiert sind, was Sie zu sagen haben, hält dieses Interesse sicherlich nicht lange an, insbesondere wenn Sie auf einen der Vortragenden in seiner Pause nach der Vorlesung zugehen. Wenn Sie auf jemanden zugehen, empfehle ich Ihnen, genau zu erklären, warum sie gerade zu ihm gekommen sind und warum sie seine Aufmerksamkeit verdienen. Dies sollte aber nicht mehr als 10 Sekunden dauern. Ein (fiktives) Beispiel hierfür wäre: „Wir sind ein Unternehmen, das auf die Einführung von Salesforce in Unternehmen spezialisiert ist, die Obst produzieren, und Ihre Lösung, die Salesforce in die Plantagenmanagement-Lösungen integriert, scheint eine großartige Lösung für einen unserer großen Kunden zu sein.  Können wir Visitenkarten austauschen, um mit dem Kunden zu sprechen, falls ein Interesse/Budget dafür besteht?“ Dann erhalten Sie Visitenkarten und vereinbaren die nächsten Schritten. Wenn Sie keine klare Vorstellung davon haben, warum Sie auf jemanden zugehen möchten, erhalten Sie ein Abonnement für den Newsletter und die Möglichkeit, es im nächsten Jahr erneut zu versuchen.

Und zu guter letzt...

 

Das war‘s von mir. Ich hoffe, ich habe Ihr Interesse geweckt, nächstes Jahr an der Konferenz teilzunehmen, falls Sie noch nie teilgenommen haben. Wenn doch, dann hoffe ich, dass ich Sie an einige schöne Dinge erinnert habe, die Sie dort erlebt haben.

 


von:
Jakov Urbanke, COO, HSM informatika